Regenbogenbrücke
Namenlos ... er muß 3 Tage schwerst verletzt am Straßenrand gelegen haben

Die nachfolgenden Zeilen schickte uns Areti heute Nacht .... Giorgos fand "Namenlos", als er sich mit Areti treffen wollte, um Mogli zum Arzt zu bringen. Für "Namenlos" kam jede Hilfe zu spät .....
Bericht von Areti, der uns nach Mitternacht erreichte:

Die Hilfe kam diesmal zu spät.
Sein Name ist Namenlos. Wir kennen seine Vorgeschichte nicht. Wir können es nur vermuten. Namenlos ist einer von tausenden Streunern in Griechenland, die keinen Glückstern haben dürfen.
Er war einmal als Welpe bei einer Familie. Die Kinder der Familie wollten ein lebendiges Spielzeug haben, keinen Spielkameraden. Bald haben die Kinder sich mit ihrem Spielzeug gelangweilt. So stand Namenlos ganz allein auf der Straße. Er konnte die Welt nicht mehr begreifen. In den ersten Tagen war er immer in Panik. Namenlos wurde verjagt und verstoßen. Er konnte in der Nacht nicht in Ruhe schlafen und kein Futter und Wasser finden.

Namenlos musste sich langsam an die neue Situation gewöhnen. Er war gezwungen zu lernen, auf der Straße allein zu überleben.
Vier Jahre sind vorbei. Namenlos hat niemals erfahren dürfen, was es bedeutet geliebt zu werden, gestreichelt oder verwöhnt. Er streunte durch die Stadt und suchte im Kampf ums Überleben täglich und oft vergeblich nach Futter. Oft hungerte er tagelang.
Er war hungrig, sein Magen knurrte ständig. Im Winter wenn es kalt war und regnete, hatte er keinen Schutz. Er wurde immer vertrieben auf der Suche nach einem warmen Plätzchen.

Sogar in den heißen Sommermonaten, wenn die Hitze den Asphalt glühen ließ, konnte er sich nicht vor der Hitze verstecken. Niemand ließ ihn an einem schattigen Ort verweilen. Er wurde vertrieben, denn ein Streuner hat nichts auf den schönen, sauberen Straßen verloren.
Vor drei Tagen sollte Namenlos auf grausame Weise erfahren, dass sein Leben unter keinem Glückstern steht. Ein Auto hat ihn absichtlich überfahren. Der Fahrer hätte bremsen können, “ aber tat es nicht, denn ein Streuner hat in Griechenland keinen Stellenwert.

Er ist nur ein Streuner und wird von der Gesellschaft nicht akzeptiert. Der Aufprall war so stark, das Namenlos durch die Luft geschleudert wurde und auf dem Gehsteig landetet. Namenlos schrie laut vor Schmerzen, sein jaulen war nicht zu überhören, doch niemand machte auch nur den Versuch, dem offensichtlich schwerverletzten Hund zu helfen.
Sein winseln und jammern rührte Niemandes Herz.
Giorgos, ein junger Tierschützer aus Athen, hat Namenlos heute früh gefunden und mich angerufen. Er war ganz hoffnungslos. Er fragte, ob er den Hund der Gemeinde übergeben oder ihn in das Tierheim bringen sollte. Ich habe ihm davon abgeraten.
Wir haben uns bei meinem Tierarzt verabredet. Giorgios war schneller. Er wollte unbedingt Namenlos retten. Auf jeden Fall!
Als ich ankam, stand Giorgos schon vor der Tür und war völlig verwirrt. Ich habe in seine Augen gesehen und sofort verstanden. Es ging um einen schlimmen Fall. Namenlos lag in einer Transportbox, er hatte furchtbare Schmerzen und seine Augen erzählten uns seine traurige Geschichte und die Qualen, die er alle diese vier Jahre erlebt haben musste.
Vorsichtig holten wir Namenlos aus der Box und legten ihn auf den Tisch .Der TA wollte ihn untersuchen und ihn dann röntgen lassen. Wir hatten aber alle ein schlechtes Gefühl. Die Röntgenaufnahme zeigte uns dann das ganze Ausmaß der Katastrophe. Eine Wahrheit, die wir nicht akzeptieren wollten. Seine Wirbelsäule war zweifach gebrochen, und das Rückenmark hatte bereits begonnen abzusterben.

Namenlos war nicht gelähmt. Namenlos war paralysiert, er hatte eine Querlähmung .
Er konnte weder Kot noch Urin behalten. Giorgos sollte die schwere Entscheidung treffen, die ihm sehr schwer fiel. Es war nicht einfach.
Namenlos ist friedlich über die Regenbogenbrücke gegangen, dorthin, wo es keine Qualen mehr gibt, kein Leid, keine Schläge, keine Menschen die ihm mehr böses tun können.
Wir haben ihn gestreichelt, ihm liebe Worte ins Ohr geflüstert. In den wenigen Minuten, die er noch zu Leben hatte, gaben wir ihm all die Liebe, die er in seinen vier Lebensjahren, nie zuvor erfahren durfte. Wir haben uns bei ihm entschuldigt, dass wir ihm nicht mehr helfen konnten. Das unsere Hilfe zu spät kam. Wir machen uns große Vorwürfe, dass wir diese Entscheidung treffen mussten.
Lieber Namenlos, es tut uns so leid, dass wir Dich nicht früher gefunden haben, dass Du ein miserables Leben geführt hast, dass Du ein so grausames Schicksal hattest. Das war aber nicht unsere Schuld.
Du hattest das Unglück in Griechenland als Hund geboren zu sein, in Griechenland als Streuner leben zu müssen. Wir fühlen uns so machtlos. Wir müssen aber den Mut aufbringen und weiter machen.
Da draußen gibt es so viele namenlose Streuner, die Dein Schicksal nicht teilen dürfen. Für Deine Artgenossen auf den griechischen Straßen werden wir weiter kämpfen. Das versprechen wir Dir.


